Chronik

1832

Der Musiklehrer und Kirchenmusiker Erhard Schmöger schart als “Chorregent” einige sangesfreudige Bürger um sich, um gemeinsam mehrstimmig zu singen. Als Dirigent übt er gleichzeitig das Amt des Vereinsvorstandes aus.

1854

In diesem Jahr kommt es zur Ämtertrennung von Vorstand und Chorleiter. Rechtsanwalt Steinhäuser übernimmt die Vereinsführung.

1858

Erste Fahnenweihe verbunden mit einem Gau-Liederfest

1859

werden erstmals Protokolle von den Sitzungen geschrieben. Aus der ursprünglichen familiären Sängerclique ist ein straff geführter Verein mit strengen Regeln geworden. Jeder, der sich um eine Mitgliedschaft bewirbt, muss mindestens 20 Jahre alt sein und durch Vorsingen beweisen, dass seine Stimme den Anforderungen genügt. In diese Zeit fallen auch die ersten öffentlichen Auftritte. Regelmäßig finden monatlich sogenannte “Produktionen” statt, vergleichbar mit kleinen Konzerten, gedacht zur Pflege der Kameradschaft. Der Liederkranz wird zu einer tragenden Säule des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Berichtet wird von Fastnachts- und Weihnachtveranstaltungen, Theateraufführungen, Cäcilienfeiern mit dem Kirchenchor, patriotischen Feiern zu den Geburtstagen vom König, später auch des Kaisers, Ständchen zu Jubiläen, auch werden Hochzeiten und Beerdigungen umrahmt. Doch auch die Freizeitgestaltung kommt nicht zu kurz. Es werden Ausflüge mit Chaisen und Jagdwagen oder Schlittenpartien unternommen und Waldfeste veranstaltet. Beliebt sind die Abendveranstaltungen im Freien als “italienische Nächte” mit Lampionbeleuchtung. Man pflegt freundschaftliche Beziehungen zu vielen Nachbarvereinen und besucht die Liederfeste des Donau-Bussen-Gaues, des schwäbischen und Deutschen Sängerbundes.

1860

wird für 275 Gulden das erste Klavier angeschafft. Bisher hat man sich mit einer Geige für 12 Gulden Kaufpreis beholfen. Die 275 Gulden leeren nicht nur die Vereinskasse, sondern hinterlassen auch noch Schulden in Höhe von 100 Gulden. Der Sekretär des Vereins, Amtspfleger Amann, springt als Gönner ein.

1870/71

Der Krieg hinterlässt beim Liederkranz nur geringe Spuren. Es werden Konzerte für die verwundeten Soldaten veranstaltet.

1883 bis 1912

Der Musikdirektor Georg Zoller dirigiert den Chor. Seine Kompositionen werden von den Ehinger Sängern gern dargeboten.

1888

wird ein zweites Klavier gekauft. Der Vorsitzende Karl Kaim untersützt den Kauf mit einer großzügigen Spende.

1914 bis 1918

Es tobt der erste Weltkrieg. Da 27 der 35 Sänger eingezogen werden, finden ab 1916 keine öffentlichen Auftritte mehr statt.

1919

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges erfolgt ein Neuanfang. Architekt Bottenschein ist gefallen, einige Sänger befinden sich noch immer in Kriegsgefangenschaft. Trotz dieser Umstände wird am 8. Juli das erste Konzert im Lindengarten aufgeführt. Der Dirigent, Rektor Blankenhorn, stand vor der schwierigen Aufgabe, aus den 45 neuen, meist ungeschulten Sängern in kurzer Zeit einen homogenen Chor zu bilden. Im Herbst des Jahres wird neben dem bestehenden Chor ein gemischter Chor gegründet. Es melden sich “45 Damen und Fräuleins”, vom Männerchor werden 24 Herren, je 6 pro Stimme, durch Los bestimmt.

1920

Der Donau-Bussen-Gau wird gegründet. Der Chorleiter des Liederkranzes, Rektor Blankenhorn, wird gleichzeitig Gaudirigent.

1921

Der Gau-Sängertag mit 600 Teilnehmern aus 16 Vereinen findet in Ehingen statt.

1925

Beim Liederfest des Schwäbischen Sängerbundes in Esslingen erringt der Liederkranz Ehingen in der Sparte “Gehobener Volksgesang” einen vielbejubelten ersten Platz.

1932

Hundertjahrfeier des Vereins. Das zu diesem Anlass in Ehingen
abgehaltene 3. Gauliederfest ist vor allem Georg Zoller gewidmet. In seiner
Zeit als Dirigent gab er dem Liederkranz entscheidende Impulse. Seine Kompositionen lösen auch heute noch bei den Zuhörern Begeisterung aus. Der mittlerweile 80 – jährige Musikdirektor wird Ehrenbürger der Stadtgemeinde Ehingen.

1933

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten legt der Vorstand und Stadtrat C. Louis Feger sein Amt nieder. An seine Stelle rückt der bisherige 2. Vorstand, der ab sofort als “Führer” bezeichnet wird. Alle wichtigen Ämter werden nicht mehr von den Vereinsmitgliedern in freier Wahl vergeben, sondern vom Führer bestimmt. Immer häufiger wird der Liederkranz zu nationalen Kundgebungen herangezogen. Beim “Tag des Brotes”, zur Volksabstimmung und zum “9. November” werden Auftritte verlangt.

1939 bis 1945

Der 2. Weltkrieg bringt schwere Einschnitte ins Vereinsgeschehen. Die Proben müssen wegen zu geringer Beteiligung ausfallen. Jegliche Sangesfreude erlöscht. Am Kriegsende sind 10 Sänger gefallen, andere kehren erst nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück.

1946

Die französische Militärregierung genehmigt die Gründung eines Gesangvereins. Die früheren Gesangvereine “Eintracht” und “Liederkranz” beschließen eine Fusion zur “Liedertafel Ehingen 1832 e.V.”. Gründungsvorstand wird Cornelius Schleker. Dirigent Oberlehrer Miller. Der neue Chor erfreut sich großen Zulaufs. Binnen Jahresfrist wächst die Sängerschar auf über 100 Männer und 75 Frauen.

1947

Das erste Frühjahrskonzert nach dem Krieg muss wegen des großen Erfolges wiederholt werden. Die Begeisterung der Bevölkerung übertrifft alle Erwartungen.

In der folgenden Zeit des Wiederaufbaus reiht sich Auftritt an Auftritt. Sängerfeste und Gau-Liederfeste wechseln sich ab. Der “Dramatische Club der Liedertafel” knüpft an die großen Theateraufführungen und Erfolge vergangener Jahrzehnte an. Der Chor unter den Vorständen Karlmann Härle und Ferdinand Dreher leisten Beachtliches. Zunehmend wendet man sich unter den Dirigenten den Musikdirektoren Otto Lex und Elmar Henger, dem Konrektor Willi Jaud und seit 1976 dem Rektor Heinz Feil, dem Kunstgesang zu. Doch nach wie vor steht das Volkslied neben Brahms, Mendelsohn, Haydn, Mozart, Schubert und Schumann, Distler und Bartok auf den Programmen; zusätzlich bereichert durch Madrigale, Chöre aus Opern, Operetten und Musicals.

1958

Die Liedertafel Ehingen hat ihren ersten Auftritt beim Süddeutschen Rundfunk in der “Stunde des Chorgesangs” mit Kompositionen von Mendelson-Bartholdy, Johannes Brahms und Richard Strauß.

In den 1960-er Jahren mehren sich die Auftritte. Im Rundfunk bei der 1000-Jahr-Feier der Stadt Ehingen, Konzerte im ganzen schwäbischen Raum, Matineen, Tanzveranstaltungen, Ausflüge, Ständchen, kirchliche Feiern – sie sind kaum noch zu zählen. Die Veranstaltungen sind jedes Mal übervoll, besonders bei der Beteiligung der Jagdhornbläser, des Soldatenchors der 7. US-Armee aus Heidelberg oder junger Talente aus Ehingen.

1982

Die Liedertafel Ehingen feiert ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert der Sopranistin Angelika Lutz-Bechtle.

1987

Die Liedertafel Ehingen führt ein Konzert zusammen mit dem Heeres-Musikkorps 10 aus Ulm auf.

1991

Das Konzert in diesem Jahre ist dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet. Weitere Mitwirkende bei diesem Konzert sind das Ulmer Kammerorchester und die Sopranistin Bernadette Flaiz.

1992

Die Liedertafel feiert ihr 160-jähriges Bestehen. Beim Jubelkonzert wirken der Altheimer Männerchor, der Liederkranz Kirchen, der Schülerchor Allmendingen und natürlich die Jubilare unter der Leitung von Heinz Feil mit. Der Verein hat 80 Sängerinnen und Sänger. Vorstand des Vereins ist Rudolf Schleker, Sohn des Gründungsvorstandes von 1946, Cornelius Schleker.

1993

Im Rahmen der “Singenden Barockstraße” findet in diesem Jahr ein Konzert in der Liebfrauenkirche in Ehingen zusammen mit dem Kirchenchor St. Michael Ehingen und dem Chor und Orchester des Gymnasiums Ehingen statt.

1994

Nach über 18 Jahren wird der Chorleiter Heinz Feil verabschiedet. Mit zwei Singstunden pro Woche (je eine für den Männer- und eine für den Frauenchor), der Vorbereitung zahlreicher Auftritte und der Vertretung im gesellschaftlichen Bereich hat er sich große Verdienste erworben. Als Nachfolger wird der Musikpädagoge Helmut Steger verpflichtet. Da dieser auch anderweitige Verpflichtungen hat, findet ab diesem Zeitpunkt nur noch eine wöchentliche Singstunde statt.

1996

In diesem Jahr führt der Vereinsausflug erstmals hinter den ehemaligen “Eisernen Vorhang” und außerhalb des deutschen Sprachraums. Mit eine 4-tägigen Reise in die ungarische Haupstadt Budapest und nach Estergom, der ungarischen Partnergemeinde von Ehingen. Unvergessen war der freundliche Empfang im Rathaus in Estergom, sowie das gemeinsame Konzert zusammen mit dem jungen Universitätschor der pädagogischen Hochschule von Estergom.

Wegen der vielen Überschneidungen im Terminplan des Chorleiters Helmut Steger übernahm immer öfter der Sänger Anton Huber die Chorleitung. Im Juni tritt die Liedertafel im Rahmen des Ehinger Musiksommers neben anderen Chören aus der Region auf dem Groggentalplatz auf.

Im Dezember feiert der Frauenchor sein 50-jähriges Bestehen. Ein Ausflug führt die Frauen der Liedertafel in das vorweihnachtliche Augsburg. Beim Frühjahrskonzert 1997 gab es nachträglich zu diesem 50-jährigen Bestehen des Frauenchors für alle weiblichen Besucher des Konzerts Sekt und Rosen.

1997

Nach zehnjähriger Vorstandstätigkeit wird Rudolf Schleker verabschiedet. Als Nachfolger im Vorstandsamt wird Willi Reichle gewählt. Zum Jahresende beendet Helmut Steger seine Tätigkeit als Chorleiter. Er hat den Chor in knapp 4 Jahren gefordert und gefördert und damit auf ein beachtliches, stimmliches Niveau geführt.

1998

Tobias Wahren tritt die Nachfolge als Chorleiter an, der als Chorleiter am Ulmer Theater engagiert ist. Unter seiner Leitung werden das bestehende Repertoire, aber auch Kompositionen und Vertonungen von Tobias Wahren geprobt.
In seinem ersten Konzert wird mit Einsatz und Schwung ein afrikanisches Märchen von Tobias Wahren aufgeführt. In weiteren Konzerten werden von Tobias Wahren vertonte Gedichte von Clemens Brentano, eine Dichterreise, sowie eine Europareise aufgeführt.
Zum ersten Mal gibt es ein Konzert ohne feste Programmfolge. Begleitet wird der Chor von Instrumentalisten aus der Ulmer Musikszene.

1999

Die Liedertafel nimmt an der zentralen Chorfeier zum 150-jährigen Jubiläum des Schwäbischen Sängerbundes im Congresszentrum in Ulm teil.

2001

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wählte die Liedertafel eine Frau zur ersten Vorsitzenden. Frau Inge Mayer übernahm die Führung des Vereins bis zum Jahr 2004. Nach ihrem Rücktritt übernahm bis zu den satzungsmäßig anstehenden Wahlen im Jahre 2005 der zweite Vorsitzende Wolf Rüdiger Stummer die Vereinsgeschäfte, der in der Hauptversammlung im Jahre 2005 als erster Vorsitzender gewählt wurde.
Am 19.12.2007 legte Herr Stummer sein Amt nieder. Bei der ordentlichen Hauptversammlung im Januar 2008 wurde Heinz Fischer zum ersten Vorsitzenden der Liedertafel gewählt.